GAV

Der Gesamtarbeitsvertrag GAV

 

Der VdU steht hinter der Idee der Sozialpartnerschaft. In Zusammenarbeit mit Personal und Gewerkschaften soll den sich laufend ändernden Anforderungen an die Arbeitswelt begegnet werden.

 

Wichtigstes Instrument der Sozialpartnerschaft ist der GAV, der die wichtigsten Arbeitsbedingungen harmonisiert. Diese gehen zwar über das gesetzlich vorgeschriebene Minimum hinaus, entsprechen aber den aktuellen Bedingungen auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt. Er ist für die Mitglieder des VdU verbindlich.

 

Die Gesamtarbeitsverträge anderer Branchen, bspw. der Maschinenindustrie, enthalten vergleichbare Bestimmungen.

 

Die wichtigsten Bestimmungen des aktuellen GAV VdU, der aber nur noch bis Ende Jahr gilt, sind:

 

Inkrafttreten
Der neue Gesamtarbeitsvertrag VdU / SMUV und SYNA ist am 1. Januar 2013 in Kraft getreten und gilt bis zum 31. Dezember 2017.

 

Absolute Friedenspflicht
Arbeitgeber und Arbeitnehmer enthalten sich jeglicher Kampfmassnahmen (Streik, Aussperrung etc.). Dies gilt auch für Gegenstände, die nicht im GAV geregelt sind.

 

Arbeitszeit
Die wöchentliche Normalarbeitszeit beträgt 40 Stunden. Sie kann gemäss separat zu treffender Vereinbarung mit den Sozialpartnern zwischen 30 und 45 Stunden schwanken.

 

Überstunden
Überstunden sind mit einem Zuschlag von 25 % abzugelten, und zwar ab der 1. Stunde für das in der Produktion beschäftigte Personal und ab der 61. Stunde für die übrigen Angestellten. Bei Überzeit, also wenn die wöchentliche Arbeitszeit 45 Stunden übersteigt, ist der Zuschlag von 25 % immer geschuldet.

 

Etappenweise Pensionierung
Ein Arbeitnehmer kann mit seinem Arbeitgeber vereinbaren, dass sich seine Normalarbeitszeit in den letzten 2 Jahren vor dem Erreichen des AHV-Alters reduziert, und zwar um bis zu 20% im ersten Jahr und und um bis zu 40% im zweiten Jahr. Dies hat eine Kürzung des Lohnes um die Hälfte der Arbeitszeitreduktion, nicht aber der Beiträge an die Pensionskasse zur Folge.Der Betrieb erhält einen Beitrag an die entstehenden Kosten von max. Fr. 24'000.

 

AHV-Überbrückungsrente
Wenn die einschlägigen Bedingungen erfüllt sind, hat ein Arbeitnehmer während eines Jahres Anspruch auf eine AHV-Überbrückungsrente von Fr. 2'000.-- pro Monat, wenn er vorzeitig pensioniert wird.


Es gibt keine Kumulation von etappenweiser Pensionierung und AHV-Überbrückungsrente.

 

Schicht- und Nachtarbeit
Die Einführung von Schicht- und Nachtarbeit ist ohne Weiteres möglich, setzt aber eine Übereinkunft mit den Sozialpartnern bezüglich der Arbeitsbedingungen voraus (Arbeitszeit, Zulagen, Brücken, Personaltransporte etc.).

 

Lohnverhältnisse im Allgemeinen
Das Lohnwesen ist grundsätzlich Sache der Betriebe. Die Uhrenindustrie kennt aber Mindestanfangslöhne. Vorbehalten bleiben zwischen den Sozialpartnern vereinbarte Lohnerhöhungen (Teuerungszulagen etc.).


(Zur Lohnrunde des laufenden Jahres: vgl. Mitteilungen)
 
Teuerungszulagen und Reallohnerhöhungen
Es gibt keine automatischen Lohnerhöhungen. Die Sozialpartner vereinbaren jährlich, ob und wenn ja in welchem Umfang die Löhne an die veränderten Verhältnisse anzupassen sind. Es besteht die Möglichkeit für die Betriebe, mit ihrem Personal eine abweichende aber insgesamt mindestens gleichwertige Regelung zu treffen.
Sieht sich ein Betrieb ausser Stande, die vorgesehenen Lohnerhöhungen zu gewähren, so kann er sich hievon dispensieren lassen.


(Zur Lohnrunde des laufenden Jahres: vgl. Mitteilungen)


Familienzulagen

- Kinderzulage: Fr. 200.--

- Berufsausbildungszulage: Fr. 240.--

- Geburtszulage: Fr. 1'000.--

  (Vorbehalten bleiben höhere Zulagen gemäss den einschlägigen kantonalrechtlichen Bestimmungen)

- Ergänzende Zulage zu Kinderzulagen und Berufsausbildungszulagen: Fr. 30.--

 

Ferienansprüche
Alle Arbeitnehmer haben Anspruch auf

- 5 Wochen Ferien im Minimum und auf

- 6 Wochen nach vollendetem 50. Altersjahr

- Jugendliche Arbeitnehmer haben je nach Alter Anspruch auf 5 1/2 bis 7 Wochen Ferien.

Ist ein Arbeitnehmer während mehr als einem Jahr zufolge Krankheit oder Unfall arbeitsunfähig, erwirbt er keine neuen Ferienansprüche mehr.

 

Ferienbezug
Die Betriebe können Betriebsferien anordnen, und zwar 2 - 4 Wochen im Sommer und 2 Tage während der Brücke Weihnachten/Neujahr. Wenn ein Arbeitnehmer dies wünscht, kann er 3 Wochen am Stück beziehen.

Wenn nichts Anderes vereinbart ist, werden nicht bezogene Ferien beim Auslaufen des Arbeitsvertrags ausbezahlt.

 

Ferienlohn
Der während der Ferien zu beziehende Lohn reduziert sich bei Abwesenheiten von mehr als 3 Monaten um je 1/12 für jeden zusätzlich fehlenden Monat (keine Reduktion hingegen wegen obligatorischen Militärdienstes, Mutterschaftsurlaubs oder Kurzarbeit).

 

Feiertage
Die Liste der bezahlten 9 Feiertage unterscheidet sich von Kanton zu Kanton. Auskünfte erteilt das Sekretariat VdU.

 

Berechtigte Absenzen
Es besteht Anspruch auf Vergütung folgender Absenzen:

Heirat: 2 Tage
Geburt eines ehelichen Kindes: 5 Tage beim ersten Kind, 4 Tage ab dem 2. Kind (zu beziehen innert 2 Wochen, auch stundenweise)
Tod des Ehegatten, eines Kindes oder der Eltern: bis zu 3 Tagen
Tod von Schwiegereltern oder Geschwistern: bis zu 3 Tagen bei Hausgemeinschaft, sonst bis zu 1 Tag
Inspektion: bis 1 Tag
Umzug: 1 Tag pro Kalenderjahr

 

Familienurlaub
Muss ein Arbeitnehmer zwingend und als Folge einer ernsthaften Krankheit seinen Ehegatten, Verwandte in direkter Linie oder Geschwister pflegen und leben diese mit ihm in Hausgemeinschaft, so kann er einen bezahlten Familienurlaub von bis zu 3 Tagen beanspruchen.

 

Erziehungsurlaub
Arbeitnehmer können, wenn die Voraussetzungen im Einzelnen erfüllt sind, einen unbezahlten Erziehungsurlaub von 3 bis 12 Monaten nehmen. Es besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Wiederbeschäftigung nach dem Erziehungsurlaub.

 

Krankheit, Unfall, Niederkunft
Die Lohnansprüche gemäss GAV entsprechen denjenigen des Obligationenrechts.


Der Arbeitgeber leistet an die Kosten der individuellen Krankenpflegeversicherung monatliche Beiträge von Fr. 160.-- für jeden versicherten Arbeitnehmer und von Fr. 60.-- für jedes Kind.

 

Bei Krankheit und Unfall ist eine Kündigung des Arbeitverhältnisses ausgeschlossen

- im 1. Dienstjahr: während der ersten 56 Tage

- im 2. - 5. Dienstjahr: während der ersten 112 Tage

- im 6. - 9. Dienstjahr: während der ersten 180 Tage

- ab dem 10. Dienstjahr: während der ersten 720 Tage.

 

Während der Schwangerschaft und in den ersten 16 Wochen nach der Niederkunft ist eine Kündigung ebenfalls ausgeschlossen.
 
Mutterschaftsurlaub
Eine Arbeitnehmerin hat Anspruch auf einen bezahlten Mutterschaftsurlaub von 16 Wochen, wenn sie Anspruch auf eine Mutterschaftsentschädigung gemäss Art. 16 b ff EOG hat.
Entsprechend der Bundesgesetzgebung müssen mindestens 14 der 16 Wochen nach der Geburt bezogen werden.
 
Militärdienstentschädigungen
Rekrutenschule als Rekrut:

Verheiratete und Unterstützungspflichtige: 75 %, Übrige: 50 %

Andere Instruktionsdienste:
Verheiratete und Unterstützungspflichtige:

- in den ersten 30 Tagen: 100 %

- nachher: 80 %


Übrige:

- in den ersten 30 Tagen: 100 %

- nachher: 50 %


Wiederholungskurse: 100 %


Lehrlingsstatut

Die Lehrlinge sind mit gewissen Ausnahmen dem GV nicht unterstellt. Der GAV gibt aber betreffend die Anstellungsbedingungen der Lehrlinge Empfehlungen ab.

 

Personalkommissionen
Der GAV enthält Mindestbestimmungen und weitergehende Empfehlungen bezüglich der Stellung der Personalkommissionen in den Betrieben.

 

Beschäftigungspolitik
Der GAV fördert die Zusammenarbeit zwischen den Sozialpartnern im Bereich der Beschäftigungspolitik im Allgemeinen und bei Umstrukturierungen, Entlassungen, Kurzarbeit usw. im Besonderen. Er begründet zusätzliche Informationspflichten gegenüber den Gewerkschaften und sieht Sozialpläne vor, ohne allerdings deren Inhalt vorwegzunehmen.

 

Bildungswesen und Bildungsurlaub
Der GAV sieht Aus- und Weiterbildungskurse im Arbeitsrecht (weit verstanden, also inkl. Lohnsysteme o.ä.) vor.
Bei genügend langer Beschäftigungsdauer im gleichen Betrieb besteht ein Anspruch auf einen bezahlten Bildungsurlaub von max. 3 Tagen pro Jahr.

 

Schiedsgerichtsbarkeit
Alle Streitigkeiten zwischen den Sozialpartnern werden von einem Schiedsgericht entschieden. Prozesse zwischen einem einzelnen Arbeitnehmer und seinem Arbeitgeber fallen in die Zuständigkeit der ordentlichen Arbeitsgerichte.


Förderung der Aus- und Weiterbildung

Prévhor leistet Beiträge an die diesbezüglichen innerbetrieblichen Anstrengungen.


         VdU · Rötistrasse 22 · 4500 Solothurn · Tel: 032 / 625 18 08 · Fax: 032 / 623 69 27